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Kommt mehr Musik aus Österreich im ORF?

ORF GD Alexander Wrabetz stellte sich am vergangenen Dienstag dem geballten Unmut der österreichischen Musikszene und signalisierte Kooperation. Waren das bloß wieder einmal Ankündigungen oder ist es diesmal ernst gemeint?

Seit 30 Jahren geht es stetig bergab beim Anteil von Musik aus Österreich in den ORF-Programmen. So gut wie nichts im TV (abgesehen von Musikantenstadl & Co.), gerade einmal im mehrjährigen Durchschnitt 8-10% auf Ö3 und noch weniger auf Radio Wien. Einzig Ö1 und FM4 senden Musik aus Österreich in einem Ausmaß, das wir uns von der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt ORF erwarten. An diesem generellen Bild ändert auch nichts, dass es zuletzt rund um den Song Contest ein paar Prozentpunkte mehr waren.

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Anderswo in Europa doppelt bis dreimal soviel

Ein Streifzug durch Europa ergibt ganz andere Bilder: Es muss ja nicht gleich Frankreich sein, wo eine Sendequote von 40% französischsprachiger Musik gesetzlich verankert ist. Abgesehen davon, dass hierzulande niemand wirklich deutschsprachige Musik meint, wäre eine auf die deutsche Sprache abzielende Regelung angesichts unseres zehnmal so großen Nachbarlandes nicht zielführend. Fakt ist, dass öffentlich-rechtliche Sender im europäischen Durchschnitt doppelt so viel Musik aus regionaler Produktion spielen wie in Österreich.

Freiwillige Charta oder gesetzliche Quote?

Bereits zweimal – 2009 und 2013 – gab es freiwillige Vereinbarungen mit dem ORF mit dem Ziel, Sendeanteile zu erhöhen. Die maßvoll vereinbarten Steigerungen wurden beide Male vom ORF nicht erreicht. Konkret scheiterte es an mangelndem Kooperationswillen der Sender O3 und Radio Wien, wo aber die Auswirkungen auf die an österreichische Berechtigte auzuschüttenden Entgelt für Airplay wegen der großen Reichweite besonders hoch sind. Immerhin fließen aus diesem Grund Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge ins Ausland ab, was nicht nur frustrierend für die heimische Musikszene ist, sondern auch volkswirtschaftlich keinen Sinn ergibt.

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Anstoß durch gesetzliche Quote in der Slowakei?

Beim Runden Tisch mit ORF GD Alexander Wrabetz am 2. Juni 2015 im Parlamentsgebäude signalisierte dieser durchaus unerwartet Bereitschaft zur Kooperation. Mag es daran gelegen sein, dass wenige Tage zuvor ein neues Rundfungsetz im Nachbarland Slowakei vorgestellt wurde? Dieses sieht gesetzliche Quoten für Musik von slowakischen Urheberinnen oder InterpretInnen im Ausmaß von 35% im öffentlich-rechtlichen sowie von 25% im privaten Rundfunk vor. Dass diese Quoten auch mittels Musik in slowakischer Sprache erfüllt werden können, ist in diesem Zusammnhang nicht relevant weil bloß Option und nicht Bedingung.

Die Zusagen des ORF

Folgende Zusagen wurden nun konkret gemacht:

  • 15% Musik aus Österreich auf Ö3 und Radio Wien
  • Wöchentliche Sendung mit Neuheiten aus Österreich ab Ende 2015 auf Ö3
  • Neues TV-Format für Musik aus Österreich ab 2016 auf ORF1
  • Übertragung der Amadeus-Gala ab 2017
  • Wiedereinstieg als Fördergeber beim Österreichischen Musikfonds

Im Gegenzug erwartet sich der ORF-Generaldirektor Unterstützung bei seinem Anliegen, mobile Radio-Apps in einer Novelle des Rundfunkgesetzes explizit zu erlauben.

Nach so vielen Jahren vergeblicher Verhandlungen, nach unseren frustrierenden Erfahrungen mit nicht eingehaltenen Zusagen des ORF…werden wir nun beobachten, ob diese Ankündigungen auch tatsächlich in die Tat umgesetzt werden.

Großer Dank gebührt jedenfalls NR Elisabeth Hakel, die diesen Runden Tisch einberufen und die Verhandlungen koordiniert hat.

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Neuerliche Forderung: Mehr Musik aus Österreich im ORF!

Erklärung österreichischer Kunstschaffender zum Song Contest 2015 in Wien

Im Rahmen einer Pressekonferenz forderten Österreichs Musikschaffende heute einmal mehr Unterstützung von Seiten des öffentlich-rechtlichen ORF ein. Es geht dabei nicht um freundlicherweise gewährte Unterstützung, sondern schlicht um die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen. Die Erklärung wird von einer breiten Allianz aus Interessensverbänden der Musik-, Literatur und Kunstszene getragen – selbstverständlich auch vom VTMÖ.

Die Kernforderungen der Erklärung:

  • Wir fordern den ORF zu einer generellen radikalen Umkehr seiner Geschäftspolitik und damit zur vollständigen Einhaltung des öffentlich-rechtlichen Auftrags auf.
  • Wir verlangen Sendequoten, wie sie seinem Programmauftrag und dem europäischen Standard entsprechen.
  • Wir fordern die Rücknahme des Verkaufsbeschlusses für das Funkhaus und der Absiedlung von Ö1, FM4 und Radio Wien.
  • Wir fordern den ORF auf, in jedem seiner Radio- und Fernsehprogramme die künstlerische Vielfalt in ihrer gesamten Bandbreite zu berücksichtigen.
  • Wir fordern die Aufhebung der willkürlichen Trennung von Kunst und Unterhaltung.
  • Wir fordern fixe Sendeplätze und fixe Sendungen für Kunst in allen Sendern des ORF, in den Landesprogrammen ebenso wie in den österreichweiten Programmen.
  • Wir fordern vermehrt ORF-eigene Produktionen in allen Bereichen.
  • Wir fordern die zuständige Politik in Österreich zu unserer Unterstützung auf.

⇒ Der vollständige Wortlaut der Erklärung

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Protest gegen Ausstieg des ORF aus dem Österreichischen Musikfonds

Der VTMÖ protestiert scharf gegen den Ausstieg des ORF aus dem Österreichischen Musikfonds. Der jährliche Beitrag von EUR 100.000,- half bisher substanziell bei der Unterstützung des musikalischen Schaffens der “Independent Artists” und der “Independent Labels”, die ohnedies wegen des seit Jahren andauernden Schrumpfungsprozesses der Musikmärkte um ihre Existenzgrundlage zu kämpfen haben. Qualitativ hochwertige heimische Musik-Neuerscheinungen kommen zum größten Teil aus diesen kleinen und kleinsten Kreativzellen.

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